Supply Chain Management | Definition und Prozess

Wie der Supply Chain Management Prozess ihr Unternehmen verändert. Strategie oder einfach nur eine AufgabeDer Begriff Supply Chain Management hat in vielen Unternehmen einen Platz gefunden. Eines der Handlungsfelder ist der Supply Chain Management Prozess, welcher die Supply Chain ausmacht oder diese treibt. Die Frage ob der Begriff Supply Chain als reiner Platzhalter genutzt wird, ohne dass der Kern umgesetzt wird bleibt allerdings häufig offen.

Wenn Sie den Kern des Begriffes Supply Chain kennen, können Sie sich Ihre Meinung bilden und selbst einschätzen wo der zukünftige Handlungsbedarf liegt.

In diesem Artikel werden wir Ihnen die  Definition, Aufgaben und Funktionen des Supply Chain Management zeigen und erklären, für einen strukturierten Umsetzungs- und Entwicklungsprozess.

Supply Chain Management Definition

Um sich einen schnellen Überblick für den Kern des Supply Chain zu verschaffen sind drei Definitionen zu Supply Chain dargestellt.

SCM Definition 1

„SCM ist das Management eines Netzwerks miteinander verbundener Betriebe, die an der letztlichen Bereitstellung von Produkt- und Dienstleistungspaketen beteiligt sind, die vom Endkunden angefordert werden.“ Quelle: 1996 Harland

SCM Definiton 2

„SCM ist ein integrativer Ansatz, um den Gesamtfluß eines Absatzkanals vom Lieferanten bis zum Endkunden zu steuern.“ Quelle: 1990 Cooper und Ellram

SCM Definition 3

„Der Ausdruck Supply-Chain-Management (SCM) bzw. Lieferkettenmanagement, deutsch auch Wertschöpfungslehre, bezeichnet die Planung und das Management aller Aufgaben bei Lieferantenwahl, Beschaffung und Umwandlung sowie aller Aufgaben der Logistik. Insbesondere enthält es die Koordinierung und Zusammenarbeit der beteiligten Partner (Lieferanten, Händler, Logistikdienstleister, Kunden). SCM integriert Management innerhalb der Grenzen eines Unternehmens und über Unternehmensgrenzen hinweg.“ Quelle: Council of Supply Chain Management Professionals

Supply Chain Managements Definition Bedeutung

Wie unschwer zu erkennen ist, decken die Definitionen Großteile der Wertschöpfungskette des Unternehmens ab. Somit sind die Kernaussagen in jeder Definition vom Lieferanten bis zum Kunden. So einfach wie das hier klingt, so komplex ist die Umsetzung des Supply Chain Management Prozesses, da es sich um eine Querschnittsaufgabe handelt. Um die Kernaufgabe in der Funktion umfassend ausfüllen zu können, benötigen Funktionsinhaber Weisungsbefugnis gegenüber Vertrieb, Beschaffung, Produktion, Logistik und letztendlich auch für Lieferanten. Normalerweise existiert eine Funktion mit solch einer umfassenden Befugnis in kaum einem Unternehmen.

Supply Chain Management Aufgaben

Hier sind typische Supply Chain Management Aufgaben dargestellt, in den Funktionen: Beschaffung, Qualitätsmanagement, Logistik oder Produktion angesiedelt sind.

Lieferantenauswahl

  • Erschließung neuer Beschaffungsmärkte und Technologien
  • Umsetzung des Vertragswesens
  • Stetige Kostensenkung bzw. Vermeidung von Kostenerhöhungen
  • Schaffung von Konkurrenz in der Lieferantenbasis
  • Ersatz von Lieferanten
  • Stetige Verbesserung der Qualität von Produkten und Dienstleistungen
  • Kundenforderungen oder gesetzgeberische Auflagen
  • Local Content
  • Export-/Importbeschränkungen

Qualitätsplanung bei und mit Lieferanten

  • Lieferantenintegration in der Produkt-Entwicklungsphase
  • Qualitätsvorausplanung während der Initialbeschaffung
  • Produkt-, Service- und Produktionsauditierungen zur Absicherung der Qualität während der Serie
  • Lieferantenbenchmarking zur Ermittlung von Stärken-/Schwächenprofilen der
  • Schlüssellieferanten
  • Implementierung von Schlüsselphilosophien wie KaiZen, Lean Management, Six Sigma, etc.
  • Steuerung des Reklamationswesens

Interne Produktion

  • Steuerung der Fertigungsversorgung (Anlieferung / Abtransport)
  • Reduzierung von Handlingsaufwand Door-to-Door (Wareneingang bis Warenausgang)
  • Bereitstellung ausreichender Kapazitäten zur Produktwandlung
  • Reduzierung der Produktherstellkomplexität durch Optimierung der Fertigungstiefe (Make-or-Buy)
  • Optimale Auslastung der eigenen Fertigungskapazitäten

Serienbeschaffung

  • Absicherung der Produkt- bzw. Serviceverfügbarkeit
  • Steuerung der Lagerbestände durch geeignete Bestellmodelle
  • Schnittstellenkoordination und -kommunikation zu Vorlieferanten
  • Preis- und Konditionenmanagement
  • Messung und Verbesserung der Lieferperformance
  • Reduktion der Wiederbeschaffungszeiten
  • Vermeidung von Mindestabnahmemengen, Rüstkosten, etc.

Logistik

  • Absicherung der benötigten Transportkapazitäten und Laufzeiten zwischen Lieferanten und Werk sowie Werk und Endkunden
  • Optimierung von Warenströmen innerhalb der Fertigung
  • Koordination und Modularisierung von Mehrweg-Transportverpackungen
  • Identifizierung und Umsetzung geeigneter Frachtfrequenzen und -modi (Milkrun, Hubs, etc.)
  • Sicherstellung der Kunden-/Ablieferperformance
  • Planung, Aufbau und Umsetzung einer geeigneten Distributionslogistik zur optimalen Marktversorgung

Wenn diese Aufgaben innerhalb einer Funktion gebündelt werden, entsteht so etwas wie eine Superfunktion. Dass diese Funktion geschaffen oder realisiert wird, ist äußerst unwahrscheinlich.

Wenn allerdings herausgearbeitet wird, für welche Aufgaben Supply Chain Manager verantwortlich sind und welche fachliche Weisungsbefugnis notwendig ist, ergibt sich auch die Möglichkeit den Kern des Supply Chain im Auge zu behalten und diesen professionell umzusetzen.

Aufbauend auf der Aufzählung der Aufgaben dürfte deutlich geworden sein, dass durch ein Umbenennen einer Abteilung oder eines Bereiches in Supply Chain, das Unternehmen die Potenziale in keiner Weise heben wird. Potenziale wie die bahnbrechende Reduzierung der Lieferzeiten bei möglichst geringen Lagerbeständen werden nicht realisiert.

Ein Ansatz ist die Hauptaufgabe der Funktion des Supply Chain Managements wie z.B.:

Ausrichtung und Optimierung der Waren- und Dienstleistungsströme an die jeweiligen Absatzmärkte und Verbraucher – festzuzurren.

Sobald hierüber Klarheit besteht ist es deutlich leichter die Aufgaben und die notwendigen fachlichen Weisungsbefugnisse zu identifizieren.

Aufgaben und Handlungsfelder identifizieren

Als ein Modell zum Erarbeiten der Aufgaben und der notwendigen Weisungsbefugnisse bietet sich das Modell von John Gattorna (2015) an.

Modell

Supply Chain Management Prozess

Quelle: John Gattorna (2015): Supply Chain Management Organizational Pyramid

Es zeigt einen gesamthaften Ansatz auf, welcher als Gestaltungsrahmen genutzt werden kann, um die die einzelnen Handlungsfelder und Aufgaben zu identifizieren. Damit aufbauend auf den Ergebnissen, kann dann die Funktion Supply Chain Management Prozess, die Aufgaben und die Organisationsstruktur gestalten.

Sobald diese Arbeiten getan sind, werden die wichtigsten funktionalen und organisatorischen Schnittstellen identifizieren und die Zusammenarbeit und den Leitungsfluss festlegt. Gerade bei den Schnittstellen ist es wichtig die Rollen zwischen den Beteiligen und dem Leitungsfluss eindeutig zu klären. Denn, letztlich geht des darum, welche Weisungsbefugnis hat Supply Chain Management und welche Informationen bekommt Supply Chain Management, um die Aufgabe – Ausrichtung und Optimierung der Waren- und Dienstleistungsströme an die jeweiligen Absatzmärkte und Verbraucher – umzusetzen.

Fazit des Supply Chain Management Prozess

Supply Chain Management ist eines der drängenden Themen der Zeit – und ein komplexes dazu.

Deshalb sind unumstritten die grundsätzlichen Aufgaben eines effektiven Supply Chain Managements im modernen Marktumfeld und dessen strategisch, nutzbringende Ausrichtung umfangreich.  Letztlich aber unabdingbar im Bestreben, den Unternehmenserfolg zu sichern und die eigene Marktposition langfristig zu steigern. So unterschiedlich die jeweiligen Segmente der Versorgungskette auch sind, so ganzheitlich müssen sie betrachtet und behandelt werden.
Eine modern ausgerichtete Supply Chain betreut neben dem klassischen Feld der Materialversorgung, des Bestands- und Beschaffungsmanagements, sowie des Einkaufs und der Distribution auch strategisch bedeutsame Felder wie Lieferantenentwicklung, Produktportfoliogestaltung, „Green Logistics“, „Lean Supply“ und die Auftragsabwicklung. Die Zielsetzungen sind einfach darzustellen: Kostenoptimale Versorgung der Märkte mit neuen und bestehenden Produkten bei geringsten Lager- und Materialkosten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bei höchster Liefertermintreue und erwarteter Produkt- und Servicequalität.