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Der Weg des Shaolin

Wie hart ist der Weg eines Shaolin wirklich und wie funktioniert ein Shaolin Training? Diese Fragen kann man am besten mit einem Einblick in das Leben eines Shaolins beantworten.

Doch zunächst einen Blick auf meine eigene Motivation. 2019 wollte Chris, ein Kollege, wieder in einen Tempel nach China, um Shaolin Kung-Fu zu trainieren. Seine Erzählungen klangen sehr exotisch und abenteuerlich aber auch surreal. Das Faszinierendste aber ist die Lebenseinstellung des Kollegen: Immer fröhlich mit einer lockeren:

„Geht nicht, gibt es nicht“-Einstellung.

Als mich Chris mit einem dicken Grinsen fragte, ob ich mitkommen wolle, war mein Entschluss gefasst, natürlich gehe ich mit.

Ich werde nach China in einen Shaolin Tempel gehen, trainieren und mich auf den Weg eines Shaolin begeben, um die Faszination selbst zu erfahren.

Zwei Tage später fragte ich mich ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, ich glaube ja.

In diesem Artikel beschreibe ich die Erfahrungen, die ich dort während einer typischen Woche in einem chinesischen Shaolin Tempel gemacht habe. Für einen genauen Blick auf die Prinzipien, Geschichte und die Anwendung im Alltag des Shaolin Kung-Fu, können Sie hier den Artikel lesen:

Ein Moment der Zufriedenheit und des Glücks

Montag – der Start in eine Woche Shaolin Training

Der Montagmorgen startete für mich meistens um 6:30 Uhr, da um 6:55 alle Schüler zum „Line up“ antreten müssen. Im „Line up“ wird erstmal auf Chinesisch durchgezählt. Wer Fehler macht, darf etwa zehn Liegestütze leisten. Wer zu spät kommt, bekommt am Ende der Woche die Strafe in Form von Liegestütze oder „Ma Bu“.

Ma Bu Shaolin Kung-fuDanach geht es geschlossen, in einer Reihe, zum Frühstück in den benachbarten Tempel. Im Anschluss gibt es Tempeldienst, dass bedeutet, jeder bekommt eine Aufgabe zugewiesen. Entweder werden die Tempel gekehrt, die Schlafräume geputzt oder die Waschräume und Toiletten gewischt. Das eigentliche Training beginnt um 8:30 Uhr, davor wird wiederum im „Line up“ angetreten und durchgezählt. Erneute Chance für extra Liegestütze.

 

Die Trainingseinheiten am Vormittag und am Nachmittag sind ähnlich aufgebaut, zuerst gilt es den Körper, warm zu machen. Dies geschieht durch mehrere Runden Joggen. Anschließend wird sich gedehnt, erst jeder für sich, danach zu zweit. Gerade die Partnerübungen dienen zur Steigerung der eigenen Flexibilität, ich für meinen Teil habe aus meinen Schmerzen keinen Hehl gemacht, die Bilder müssten das deutlich zeigen. Wer viel „Glück“ hat, wird von einem Shifu korrigiert und anschließend nochmals so richtig gedehnt.

Shaolin Kung-fu dehnen                          Konterdehnen Shaolin kung-fu

Nach dem Morgen in den Tag

Am Montagvormittag besteht das Training in der Regel aus Kung-Fu Basics Training. Das bedeutet, man übt Formen und Stände des Kung-Fu. Eine Form ist ein Bewegungsablauf, mit dem die Grundstände des Shaolin-Kung-Fu, Schläge, Tritte, Griffe und Blöcke trainiert werden. Der Zweck dahinter ist das immer wiederkehrende Training des Muskelgedächtnisses. Die Formen sollten jeden Tag trainiert werden, somit werden jeden Tag Verbesserungen erreicht und gleichzeitig eintrainiert. Die Vorgehensweise und die Philosophie erinnerte mich immer wieder an das japanische Lean Management. Die Formen werden erst durch die Shifus vorgeführt und anschließend durch die Schüler nachgemacht, die Meister achten dabei auf jede Kleinigkeit und korrigieren immer wieder Fuß-Positionen oder die Haltung. Viele Stände (z.B. Mabo) sind für den typischen Bürohengst sehr anstrengend, durch die Korrekturzyklen der Meister müssen die Stände dennoch einen längeren Zeitraum gehalten werden. Der Muskelkater in meinen Oberschenkeln war vier Wochen lang ein treuer Begleiter.

Nach drei Stunden Training, die wie im Flug vergehen, ist Zeit für Mittagessen, in meinem Fall anschließend nochmals ein zweites kleines Mittagessen und dann ein wohlverdientes Mittagsschläfchen.

Den Wochenstart mit einer weiteren Portion Training ausklingen lassen

Der Montagnachmittag verläuft ähnlich wie der Vormittag, in meiner Wahrnehmung war das nachmittags Training immer anstrengender. In meiner Zeit in China konnte ich vier Formen lernen, zwei Formen des Shaolin Kung-Fu, eine Tai Ji Form und Qigong „Five Animals“. Letztere beiden trainiere ich heute noch. Eine weitere Form habe ich leider nicht abschließen können: Meihua Quan. Diese Form ist 3.000 Jahre alt und ist zusätzlich gut für die Gesundheit. Typischerweise wird Meihua Quan auf Holzstangen trainiert. Durch die ständige Gefahr des Hinunterfallens ist die Konzentration beim Training deutlich höher, eine Stunde Training soll so viel wert sein wie 1 Woche Training.

Nach dem Abendessen gibt es auf freiwilliger Basis Unterricht. Montags wird Mandarin unterrichtet, um Kung-Fu zu lernen, muss auch die Kultur und Sprache verstanden werden. Neben dem Zählen war für mich wichtig, zu sagen: „Ich spreche kein Chinesisch“, „ich komme aus Deutschland“ und „Was kostet das?“.

Um 18 Uhr schließt der Tempel für Besucher, um 20 Uhr schließen sich dann die Tempeltüren auch für die Schüler. Demnach gibt es jeden Abend um 20 Uhr ein letztes Antreten und durchzählen, je nach Stimmung der Shifus auch gemeinschaftliche Liegestütze oder Mabo bei Fehlern. Anschließend hat jeder die Wahl zwischen Meditation im Tempel oder Training der Formen. Um 22 Uhr war ich spätestens im Bett, dank Tempel-Wlan konnte ich davor digitale Zeit mit meinen Liebsten in der Heimat verbringen.

Dienstag

Am Dienstag besteht der Vormittag aus Power-Stretching, nach dem üblichen Warm-Up wird sich in dreier Teams gedehnt. Das Dehnen geht dieses Mal ca. zwei Stunden, im Hintergrund lief chinesische Shaolin-Musik, ich habe heute noch einen Ohrwurm, wenn ich daran denke… Die Musik lenkt allerdings von den Schmerzen und dem sadistischen Gelächter der anderen Schüler ab. Jeder Muskel wird dabei etwa zwei Minuten gedehnt, danach folgt das Konterdehnen. Nach nur vier Wochen habe ich deutliche Erfolge in meiner Flexibilität gemerkt.

Nach nur einer Woche zu Hause ohne dehnen, allerdings auch wieder deutliche Rückschritte.

„Ein Tag ohne Dehnen ist wie eine Woche ohne dehnen“, wieder ein treffendes Zitat des Shifus.

Nach dem Powerstretching wurde eine große Matte vor den Tempel geschafft und wir hatten Zeit, um Akrobatik zu trainieren. Das Ziel dahinter war, dass die Schüler in der Lage sind, einen Salto, ein Flick Flack oder auch nur ein einfaches Rad zu schlagen, auch hier benötigt der Schüler Körperbeherrschung, Flexibilität, Kraft und das wichtigste: positives Denken.

Eigene Grenzen überwinden

Auf den Salto wurde zum Beispiel gezielt an einem Tag hintrainiert. Start ist ein einfacher Purzelbaum, dann eine Judorolle, gefolgt von einer Hechtrolle, ein hoher Sprung und dann am Ende ein Salto. Ich war mir sicher, dass ich die körperlichen Voraussetzungen für einen Salto habe, sportlich genug bin ich, aber das ist nicht der Showstopper.

 

Das eigene Gehirn konfrontiert einen mit:

„Was passiert, wenn ich auf dem Kopf lande?“ „Kann ich so hochspringen?“ „Vertrete ich mich bei der Landung?“ kurz um: alles negative Gedanken!

Zu Beginn hatte ich eine richtige Blockade, die Hechtrolle funktionierte noch recht gut, den Salto habe ich mich einfach nicht getraut. Frust hat sich aufgestaut.

In der ersten Woche hat mich dann nach dem Mittagessen der Ehrgeiz gepackt. Mit drei weiteren Schülern sind wir während der Pause iterativ das Training erneut durchgegangen. Mein Mindset war ein gänzlich neues, vielleicht lag es an meinem Ehrgeiz, an dem gesunden Essen oder weniger Zuschauern und mehr Ruhe und Konzentration. „Du kannst das“! war mein einziger Gedanken und siehe da: Nach einer Stunde konnte ich einen Salto. Ich muss gestehen, es gibt bestimmt Abzüge in der B-Note bei der Landung, aber ich habe mich in der Luft vollständig gedreht und kam mit den Füßen (und ein bisschen Hintern) zeitgleich auf dem Boden auf. Ein sagenhaftes Gefühl, wenn man über seinen eigenen Schatten springt und viel besser als ein zweites Mittagessen und dazu ein Powernap.

Keine Zeit Erfolge zu feiern

Der Nachmittag ist ähnlich strukturiert und gibt einem keine Gelegenheit sich auf seinen Erfolgen auszuruhen. Es gilt auch hier, warm machen, dehnen und dann Training. Zwei Mal die Woche haben die Schüler dann die Wahl zwischen Wing Chun oder Sanda.

Ersteres ist ein Stil den einige eventuelle aus den Ip Man – Filmen kennen oder von Bruce Lee.

Sanda hingegen ist das chinesische Kickboxen.

Da ich eh schon durch zu viele Informationen überfordert war, habe ich mich in der Regel für Sanda entschieden. Dort konnte ich an meine vergangenen Boxerfahrungen anknüpfen. Das Nachmittagstraining bringt einen erst richtig zum Schwitzen.

Die letzte halbe Stunde / Stunde des Trainings hatte jeder Schüler nochmal für sich Zeit Formen zu üben. Am Abend wird chinesische Kultur unterrichtet, man lernt die Grundlagen über Yin und Yang, Laozismus, Buddhismus und Daoismus kennen.

Mittwoch

Am Mittwochvormittag steht Hart Qigong auf dem Programm. Während Soft Qigong das innere Qi (Energie) entwickelt und stärkt, macht einen Hart Qigong härter. Einige werden das vermutlich aus TV-Berichten über Shaolin Mönche kennen: Ein Mönch zerschlägt mehrere Blöcke aus Stein mit der Hand, dem Fuß oder dem Kopf. Der Körper wird in dem Training für einen etwaigen Kampf oder für das Training abgehärtet.

Das Programm beginnt mit Partnerübungen, dazu existiert eine Form für die Unterarme. In immer wiederkehrenden Abläufen wird dadurch die Unterarmmuskulatur gestärkt. Ich habe deutlich gespürt, welcher Schüler das schon länger macht. Anschließend folgen weitere Übungen. Allerdings kann man das Training vereinfacht so erklären:

Man schlägt sich gegenseitig 200 Mal auf bestimmte Muskelgruppen, zwei Stunden lang …

Sehr unangenehm ist dabei der Solarplexus. Beim ersten Mal getroffen werden, musste ich den Reflex des umgehenden Zurückschlagens unterdrücken. Später packte mich ein bisschen das Adrenalin und ich habe mich dabei ertappt, wie ich zu meinen Peinigern gesagt habe: „Härter!“. Wichtig ist, keine blauen Flecke zu bekommen, das stoppt den Qi-Fluss und ist daher nicht gut.

Hart Qigong Training     Hart Qigong Training

Noch nicht genug eingesteckt?

Am Mittwochnachmittag hat man wieder die Wahl zwischen Sanda und Wing Chun. Wer am Vormittag noch nicht genug eingesteckt hatte, für den ergab sich hier die Gelegenheit. Die letzte Stunde besteht aus Vollkontakt-Sparring, natürlich freiwillig.

Für Kampfsportbegeisterte eine tolle Erfahrung, die unterschiedlichen Hintergründe der anderen Schüler ermöglichen viele Lerneinheiten und schnelle Fortschritte. Jedes Alter und Geschlecht hat sich auf den Matten eingefunden, manche hatten auch das Glück gegen den Shifu zu kämpfen. 30 Jahre Shaolin Kung-Fu merkt man in der Schnelligkeit und Kraft, für mich ist es deshalb unmöglich, auch nur einen einzigen Schlag zu kontern. Auf dem YouTube Kanal des Tempels gibt es einige interessante Videos, wie auch im folgenden Beispiel.

Zur Ruhe kommt man abends nach dem Mandarinunterricht, während der Meditation. Drei Tage Sport am Stück, mit unterschiedlichen Belastungsintervallen, bringen erstaunlich viel innere Ruhe in den eigenen Geist und Körper. In Deutschland konnte ich mich nie mit dem Stillsitzen anfreunden, im Kloster hingegen waren das Momente, auf die ich mich gefreut habe. Die Meditation an sich geht 30 bis 45 Minuten, im Anschluss werden gemeinsam Energiepunkte abgeklopft. Jeder Energiepunkt wird mit 100 bis 200 sanften Schlägen massiert, das dient dazu Verspannungen zu lösen und das Qi fließen zu lassen.

Donnerstag

Der Donnerstagvormittag besteht laut Trainingsplan aus Selbstverteidigung. Häufig durften wir aber auf die Meihua Quan Stangen zum Trainieren. Meihua Quan war die für mich interessanteste Form. Das liegt an der direkten Kombination aus Kampf und Gesundheit. Ist man Anfänger auf den Stangen, übt man zunächst einfaches Stehen auf drei unterschiedlichen Punkten am Fuß:

  • Zehen/Ballen
  • Fußmitte
  • Sohle/Ferse.

Einfache Übungen für Anfänger

Man bekommt zu Beginn des Trainings eine Übung aufgetragen. Die Übung ist einfach, denkt man:

Zehn Minuten stehen und nicht hinunterfallen.

Da meine Füße allerdings nichts gewohnt sind, habe ich nach wenigen Minuten die komplette Beinmuskulatur gespürt. Die Beine fangen an zu zittern, die Konzentration lässt nach und schon purzelt man auf den Boden. Nach dem Stehen kommt „gehen“ erstmal vorwärts, dann rückwärts und das ohne ständiges auf die Füße schauen.

Ich weiß warum ich nur auf den niedrigen Stangen geübt habe und nicht auf den bis zu 1,7 Meter hohen Stangen, ins Schwitzen bin ich trotzdem gekommen. Hat man das gemeistert, erlaubt einem der Shifu schnelleres Gehen und kleine Sprünge.

Parallel übt man die fünf Stände im Meihua Quan, jeder Stand verkörpert eines der fünf Elemente in der chinesischen Medizin. Die Stände sind für einen untrainierten und ungedehnten Körper schwer zu halten und daher sehr anstrengend.

Gestärkt zum Mittagessen

Vor dem Mittagessen und nach einem anstrengenden Vormittag wurde häufig Qigong trainiert. Die Vorteile von Qigong sind:

  • Langlebigkeit
  • Erhöhte Immunität
  • Gesunder Körper
  • Muskelentspannung
  • Regulierung von Qi und Blut
  • Erhöhter Stoffwechsel

Ich war nach dem Qigong zu Beginn noch müder als zuvor. Mittlerweile fühle ich mich, nach einiger Übung und Training, danach gestärkter, entspannter und ruhiger.

Der weitere Donnerstag vergeht wie im Flug beim Training der Formen. Am Abend gibt es Unterricht in traditioneller chinesischer Medizin. Der Unterricht findet in dem Teeraum des Tempels statt, ein sehr schön traditionell eingerichteter Raum, der auch noch köstlichen Tee beherbergt.

Geschult werden die fünf Elemente und die Abhängigkeiten, zudem Ernährung auf Basis dieser Elemente, z.B. Regionalität und Saisonalität für eine gesunde und ausgewogene Nährstoffaufnahme. An einem Tag haben wir auch typisch chinesische Gesundheitshelferlein bekommen, die Chinesen befreien ihre Nase mithilfe eines flachen Hornstückchens von Schleim, in dem die Nase von außen, von oben nach unten über die Nebenhöhlen gerieben wird.

Freitag – nochmal alles geben!

Der letzte Trainingstag in der Woche besteht im Wesentlichen aus Powertraining. Der Vormittag vergeht nahezu spurlos mit Formübungen. Der Nachmittag dient voll und ganz dem Muskelaufbau.

Ich muss gestehen, ich war am Anfang überrascht, die meisten Schüler sind auf den ersten Blick nicht sonderlich muskulös, eher drahtig und sehr schnell. Manche hätte ich gerne gefüttert. Im Sparring könnte man deshalb den Fehler machen, den Gegenüber zu unterschätzen. Denn, Schüler die einen längeren Zeitraum im Tempel verbrachten haben, strotzen nur so vor Geschwindigkeit und Power.

Die letzten Kraftreserven werden aktiviert

Die Power wird am Freitagnachmittag trainiert, hier kam Wu-Shifu zum Zug. Wu-Shifu hat vor seiner Zeit als Shifu in Filmen als Kampfchoreograf und als Stuntdouble seinen Lebensunterhalt verdient. Auf den ersten Blick erinnert er vom Aussehen an einen sanften liebenswürdigen Buddha. Im Powertraining kamen seine Fähigkeiten als Schleifer zum Tragen. Vorab hilfreich zu wissen ist, dass die Tempelrunden schätzungsweise etwa 400 Meter lang sind. Nach dem Aufwärmen, Dehnen und Kombinationsübungen ging es direkt in die Powerrunden.

Die Powerrunden

Meistens ordnete der grinsende Wu-Shifu eine Tempelrunde Schubkarrenlaufen zu Beginn an. Danach eine Runde Burpees vorwärts, dann eine Runde Burpees rückwärts, Spinderman lauf, „Duck“-Lauf, auf den Zehenspitzen und so weiter und so weiter…

Powertraining Kung-Fu

Später standen Seile bereit, Eimer mit Wasser, Matten für Situps und Hanteln. Anstrengend aber lustig war eine Art Huckepacklauf, ein Mitschüler der eigenen Wahl (idealerweise jemand leichtes) muss eine Runde auf dem Rücken getragen werden, während drei andere Schüler gegen einen drücken und das Vorankommen zusätzlich erschweren, lustige und aufmunternde Sprüche ließen mich für meinen Teil nochmals die letzten Kraftreserven aktivieren.

Powertraining Shaolin Kung-Fu

Noch nicht genug?

Ganz gemein ist der Spiderman Lauf (alle Viere auf dem Boden) mit einem Mitschüler oder dem Shifu auf dem Rücken. Die vorletzte Übung war meistens 100 Kniebeugen mit einem Mitschüler auf dem Rücken. Mit zitternden Beinen habe ich mich dem 100 Mal auf und ab bemüht nicht mit dem zusätzlichen Gepäck vorwärts umzufallen. Als krönender Abschluss waren Situps an der Reihe, ich glaube bis zu 600 Stück, in unterschiedlichen Varianten. Bei ca. 25 bis 29 Grad Celsius im März freut man sich doppelt, wenn das Training zu Ende ist und der Körper zwei Tage Pause bekommt.

Wenn man Glück hatte, war das wöchentliche Abschlussgespräch zwischen Shifus und allen Schülern am Freitag, dann konnten wir eine Stunde Powertraining sitzend vor dem Shifu verbringen. Der Shifu fasst die Woche zusammen, eine Dolmetscherin übersetzt dabei. Zur Zusammenfassung gehören die einzelnen Erfolge der Schüler und die Erfolge der ganzen Gruppe, aber auch negative Punkte wie Ratten im Kloster und was tun, sowie Krankheitswellen und Faulheit einiger Schüler.

Untermalt wurden die Ermahnungen immer mit Geschichten, viele beginnen mit: „Es war einmal ein kleiner Mönch…“. Zu guter Letzt wurden alle Schüler aufgerufen, die Ihre Uniform nicht immer richtig an hatten, die zu spät kamen oder gegen sonstige Regeln verstoßen hatten. Diese Schüler durften dann wieder extra Liegestütze oder Mabo leisten.

Start ins Wochenende

Chris und ich haben die Freitagabende mit Essen gefeiert. Ein nahes veganes Restaurant war dazu unser Ziel. Das Essen und die Atmosphäre sind sagenhaft, unterstützend kommt hinzu, dass wir wussten was wir die Woche geleistet und gelernt haben. Typisch chinesisch wird der Tisch voll mit Essen bestellt und jeder kann überall kosten. Aus meinem vollen Mund kamen neben typisch chinesischen Schmatzgeräuschen nur positives: „delicious“ „beautiful“ „awesome“. Jeder der mich angeschaut hat, musste automatisch mitlachen.

Auf meine Frage warum, kam nur: „you are smiling so satisfied and happy.“

August 8, 2019

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